Das Alte Haus

 

Es fällt auf, das Alte Haus an der Staatsstraße, gegenüber der Zwerlenbacheinmündung. Erbaut wurde es im Jahre 1737 als Wohnung für einen Erbbeständer, einen Mann, der kurftürstliches Land
in Neidenfels im Erbbaurecht verwaltete.

Philip Karch beschreibt das Alte Haus in seiner “Geschichte eines Walddorfes” wie folgt:
“... Mitten in den Langenacker stellte der Pächter das neue Wohnhaus. Mit seinen zwei Stockwerken, dem weißen Kalkanstrich, durchzogen von geschwärzten, rissigen Eichenbalken, sieht es imponierend auf festem Sandsteinsockel zwischen Bach und Straße ... ”

Es ist nicht ganz sicher, wer das Haus erbaute. Ein kurfürstlicher Beamter stellte im Rahmen einer Untersuchung 1745 fest, dass ein gewisser Jakob Blenk Haus und Hof in Besitz hatte und sich drei Genossen das Gut teilten. Die Blenk'sche Sippe war im Dorf äußerst unbeliebt. Mehrere Beschwerden führten schließlich dazu, dass die Familie spurlos aus dem Dorf verschwand.


Die letzte Fahrt der Postkutsche von Neidenfels nach Lambrecht anno 1916
 

Im Jahre 1756 trat ein Christian Rocke, ein fleißiger und im Laufe der Zeit wohl auch vermögender Mann, als Erbbeständer in Erscheinung. 1928 erwarben Peter Laubscher und Frau Barbara den Hof. In der Liste der Bewohner und Eigentümer folgte Valentin Schimpf, nach dem noch heute das Anwesen “Schimpfsches Haus” benannt wird. Das Haus beherbergte ein Postzimmer, die Postkutsche machte im Hof Rast. Das vom Zerfall bedrohte Gebäude wurde 1930 mit Mitteln des damaligen Reichsministeriums für die besetzten Gebiete renoviert.

Im Jahre 1952 ging das Anwesen in das Eigentum der Firma Julius Glatz über. Der Torbogen mit dem heiligen Nepomuk auf der Spitze, wurde im gleichen Jahr vom alten Forsthaus, das der neuen Trafostation der Firma Glatz weichen mußte, in das Schimpf'sche Anwesen versetzt.

Während das Alte Haus in vielen Berichten beschrieben wird, wurde das Wirtschaftsgebäude, wenn überhaupt, nur am Rande erwähnt. Es bot fürwahr auch keinen schönen Anblick. Der Zahn der Zeit hatte ihm stark zugesetzt. Waren in ihm früher wenigstens noch Fabrikationsräume und eine Schreinerei untergebracht, so diente es in den letzten Jahren nur noch als Müllkippe.

Das Sängerheim

Es musste etwas geschehen mit diesem verwahrlosten Rückgebäude im Schimpf'schen Hof. Bildete es doch einen drastischen Kontrast zum 1986 renovierten Wohngebäude. Schon 1984 hatte sich der Ausschuß des Männerchors mit der Idee angefreundet, das Gebäude zu renovieren und als Sängerheim auszubauen. Trotz Enttäuschung über den desolaten Zustand des Gebäudes, wurde mit Schreiben vom 28. Januar 1985 die Firma Glatz um kostenlose Überlassung des Gebäudes gebeten.

Nach Abschluß einer entsprechenden Vereinbarung mit der Geschäftsführung der Firma Glatz und dem überzeugenden Votum der aktiven Sänger für Renovierung und Ausbau – von 37 anwesenden Sängern stimmten in der Singstunde am 15. Januar 1986  33 für das Vorhaben – erstellte der Vereinsvorsitzende Werner Lautensack die Planungsunterlagen: es folgte ein formeller Bauantrag.

Den Verantwortlichen des Vereines war klar, dass bei einem Kassenbestand von ca. 20.000,– DM ein solches Vorhaben nur dann gelingen könne, wenn eine Vielzahl von Helfern das Werk tatkräftig unterstützen würde.

Obwohl so mancher Helfer beim Anblick der “Müllhalde” seine Zweifel hatte, ob daraus wirklich ein Sängerheim entstehen könnte, wurde am 25. Januar 1985 mit den Arbeiten begonnen.

Viele fleißige Helfer und ein Idealismus sondergleichen machten es möglich – am 27. Juni 1987 konnte das Richtfest gefeiert werden. Alle Helfer – und hier seien die Köchinnen, die jeden Samstag für das leibliche Wohl der “Bauarbeiter” sorgten. besonders erwähnt – konnten stolz sein auf das bisher Geleistete. Zur Feier das Tages wurde ein Schwein geschlachtet, selbstverständlich gestiftet von einem Mitglied.

Vom 17. – 19. Juni 1987 wurde dann rund um das neue Sängerheim gefeiert. Nach der offiziellen Einweihung folgten Tage der offenen Tür. Man hatte es geschafft. Durch das Engagement aller war ein Werk entstanden, auf das wir alle stolz sein konnten. Der Männerchor 1886 hatte sein eigenes Sängerheim – wer hätte das vor einigen Jahren noch gedacht. Das ehemals so heruntergekommene Wirtschaftsgebäude im Schimpf'schen Anwesen konnte mit dem Alten Haus jetzt konkurrieren. Es ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht, bildet zusammen mit dem Wohngebäude eine Einheit, die auch das Dorfbild positiv beeinflußt.

Doch wer gedacht hätte, daß der Ausbau damit beendet wäre, irrte. Nach einer notwendigen Pause sollten der zweite und dritte Bauabschnitt in Angriff genommen werden.

Heinz Seiler

Quellen: Helmut Müller “Das Alte Haus”
  Philipp Karch “Geschichte eines Walddorfes”